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Förderkonzepte
„Die Aufgabe der Schule ist es, individuelles und gemeinsames Lernen anzuregen, zu unterstützen und zu fördern. (…) Durch eine herausfordernde und zugleich unterstützende, angstfreie Atmosphäre können die Kinder Leistungsbereitschaft, Anstrengungsbereitschaft und Ausdauer, Zuversicht und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln.“(RL, S.16, Düsseldorf,2003)
Fakt ist, dass die Anzahl der Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs gestiegen ist.
SchülerInnen sind auch nach der Einschulung in Teilbereichen noch nicht schulfähig. In jedem Schuljahr gibt es eine Reihe von „freiwilligen Rücktritten“.
Auch solches Verhalten beobachten wir zunehmend in den Klassen 1 und 2:
Es fällt auf, dass manche Kinder
- beim Schreiben die Zeilen nicht einhalten können
- beim Abschreiben sehr langsam sind
- die Stifthaltung beim Malen / Schreiben oft sehr verkrampft wirkt
- beim Sport sehr ungelenkig, steif und schlaksig wirken
- wenig ausdauernd sind, schnell ermüden und sich nicht für längere Zeit auf etwas konzentrieren können
- zappelig und motorisch unruhig sind und kaum auf dem Stuhl sitzen bleiben können
- den Klassenclown spielen
- bei einer nicht übermäßig lauten Geräuschkulisse trotzdem häufig nach vorne kommen, um nachzufragen, weil sie Anweisungen nicht verstanden haben
- kleine Geschichten nur schwer in ihren räumlichen und zeitlichen Zusammenhängen nacherzählen können
- Handlungsaufträge wieder vergessen
- oft emotional unausgeglichen reagieren, mit Frustrationserlebnissen schlecht zurechtkommen
- die Mitarbeit verweigern
- häufig andere Kinder anrempeln und dadurch immer mehr in eine Außenseiterrolle geraten
- bei Konflikten mit anderen Kindern häufig zu stark zuschlagen, weil sie ihre Kraft nicht richtig dosieren können
- sich durch Reize schnell ablenken lassen.
Mögliche Ursachen für Entwicklungsauffälligkeiten
Im Allgemeinen sind die Ursachen für Entwicklungsauffälligkeiten zu lokalisieren
a) In der Umwelt des Kindes, z. B. in deprivierenden Lebens- und Erziehungsbedingungen, die sich in sozialer und emotionaler Vernachlässigung, in gestörten Interaktionen zwischen Eltern und Kind manifestieren. Die Art und Weise, wie das Kind versorgt wird, wie seine Bindungsbedürfnisse befriedigt werden, die Zuwendungsbereitschaft der Eltern, die Form und Art des Spiel- und Lernangebots sind entscheidende Faktoren für die Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes.
b) Im Kind selbst in Form organischer Ursachen wie Seh- oder Hörbehinderung
(z. B. mangelnde Sehstärke, Hörverluste), in psychiatrischen Erkrankungen oder in cerebral bedingten Informationsverarbeitungsstörungen.
c) In unangemessenen Lern- und Unterrichtsformen.
Die Lebens- und Erziehungsbedingungen spielen eine große Rolle, sind von der Schule aber nicht zu beeinflussen.
Die organischen Ursachen finden unter der Bezeichnung Wahrnehmungsstörungen eine höhere Beachtung. Das spiegelt sich auch darin wider, wie häufig Logopädie, Ergotherapie etc. erforderlich sind.
Diese Störungen haben nichts mit mangelnder Begabung oder mangelnder Intelligenz zu tun, sie sind Entwicklungsstörungen, die möglichst früh ausgeglichen werden sollten.
Die Entwicklungstheorien gehen davon aus, dass höhere Lernprozesse sich auf der Basis relativ elementarer Wahrnehmungsprozesse entwickeln und darauf aufbauen. Taktile, kinästhetische und vestibuläre Wahrnehmungen sind die sensomotorischen Grundlagen der Entwicklung. Visuelle und auditive Wahrnehmungsprozesse bauen darauf auf. Störungen der taktil-kinästhetischen und vestibulären Wahrnehmung führen zu
- Körperorientierungsstörungen bzw. Körperschemastörungen
- Bewegungsplanungsstörungen (Dyspraxien)
- Störungen in der Raumwahrnehmung
- Störungen der visuellen Wahrnehmung
- Funktionsstörungen der auditiven Wahrnehmung.
Deshalb ist die Zusammenarbeit von Eltern, Erzieherinnen in den Kindergärten, Lehrerinnen und Lehrern, Kinderärzten, Logopäden, Ergotherapeuten wichtig. Die Lehrerinnen und Lehrer beobachten, geben Hinweise auf Schwierigkeiten, beraten; sie diagnostizieren nicht, sie therapieren nicht. Sie können wohl ihren Unterricht so gestalten, dass Sinnesreize, die diesen Kindern besonders fehlen, im Unterricht und in Fördermaßnahmen angeboten werden.
Fördermöglichkeiten
Die Förderung beginnt mit der Beobachtung der Kinder bei der Schulanmeldung.
In dieser kurzen Begegnung können nur starke Auffälligkeiten wahrgenommen und an die Eltern rückgemeldet werden. Mit den Erzieherinnen der Kindergärten tauschen wir uns, wenn das Einverständnis der Erziehungsberechtigten vorliegt, aus. Unser Anliegen ist es, Eltern auf mögliche Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, damit die verbleibende Zeit z.B. für logopädische Förderung, Ergotherapie etc. genutzt werden kann. Die Beobachtung ist die Voraussetzung für die Förderung.
Diese Beobachtungen werden mit dem Schulbeginn in der Klasse 1 durch den Klassenlehrer/ die Klassenlehrerin und eine Sozialpädagogin fortgesetzt. Für eine zielgerichtete Beobachtung stehen nur wenige frei verfügbare Lehrerstunden für Doppelbesetzungen z.B. im Eingangsbereich und für zusätzliche Förderung zur Verfügung.
Förderung durch die sozialpädagogische Fachkraft
Die Sozialpädagogin unterstützt die Klassen- und Fachlehrer in den 1. Klassen in ihrer pädagogischen Arbeit. Schwerpunkt dieser Arbeit sind präventive, beratende, fürsorgerische und pädagogische Angebote mit vorrangig stützender, integrativer Funktion für Kinder, die den Schuleintritt nicht ohne sozialpädagogische Hilfe bewältigen können.
In den ersten Schulwochen gehört die Beobachtung und Lernbegleitung der Schulanfänger dazu. Es gilt, den jeweiligen Entwicklungsstand lern- und verhaltensauffälliger Kinder im Klassenverband festzustellen (z.B. Beobachtungsbogen, Kurzdiagnostik nach Bettinger und Ledl, Gruppentest zur Erfassung der phonologischen Bewusstheit mit dem Münsteraner Screening (MÜSC).
Die sozialpädagogische Fachkraft fördert in Absprache mit den Klassenlehrern grundlegende Fähigkeiten der Kinder in folgenden Bereichen:
- Basisförderung mit dem Schwerpunkt Wahrnehmung: akustische, optische, taktile, soziale und Körperwahrnehmung
- Motorik: Grobmotorik, Bewegungsplanung und –steuerung, Körperspannung, Gleichgewicht, Lateralisierung, Feinmotorik
- Sprache: Artikulation, Wortschatz, Mitteilungsfähigkeit, Zuhören, Lesevoraussetzungen sowie das Zusammenwirken dieser Fähigkeiten (sensorische Integration)
- Begegnung mit Mathematik: Mengen auffassen/ ordnen/ klassifizieren, Symbol- und Zahlenverständnis. Dazu ein Beispiel: Bei der Begegnung mit Mathematik dienen großformatige Zahlenmatten gleichzeitig der unmittelbaren Erarbeitung und Festigung der Zahlen und Zahlenreihen und bieten zusätzliche Möglichkeiten zur Erfahrbarkeit räumlicher Dimensionen.
- Soziale Kompetenz: Selbstwertgefühl/ Ich-Identität, Frustrationstoleranz, Konfliktverhalten, Bedürfnisaufschub, Belastbarkeit, Ausdauer, Konzentration sowie die sensorische Integration.
Die Förderarbeit findet als Differenzierung im Klassenunterricht, mit Fördergruppen im Förderraum, als Einzelförderung oder als Klassenübergreifender Unterricht statt.
Weiterhin wirkt die Sozialpädagogin bei der Beratung von Schülern und Eltern und beim Austausch mit Kooperationspartnern mit. Sie arbeitet an der Entwicklung individueller Förderkonzepte zur Behebung vorhandener Lerndefizite mit.
Arbeiten im Förderraum
In diesem Raum stehen alle Fördermaterialien. Sie geben Anregung für die Arbeit in den Klassen, wobei bewährtes Material auch die Klassenausstattung ergänzen kann.
Der Raum bietet vielfältige Situationen zur Schulung der Wahrnehmung. Durch einen großen Gruppentisch wird ein weiterer Arbeitsbereich geschaffen und an insgesamt sechs Computern können Forder- und Förderaufgaben gestellt werden.
Der Förderraum ist für alle da!
Das breite Angebot an Lernmaterial spricht alle Kinder besonders an. Es gibt Material, das zusätzliche Lernhilfen bietet, aber auch Material, das zusätzliche Anforderungen stellt (vgl. RL S.17: „Förderunterricht, der grundsätzlich allen Schülerinnen und Schülern offen steht, trägt dazu bei, dass sowohl Lernschwächere als auch Lernstärkere in ihrer Entwicklung zielgerichtet unterstützt werden.“).
Das gilt auch für das Lernen am Computer, was wir ebenfalls im Förderraum in besonderem Maße verwirklichen wollen.
Der Förderraum bietet vielfältige taktile Wahrnehmungsübungen wie die Tastwand, das Senso-Spiel, die Sandwanne, Fühlsäckchen, Wärmeleitplättchen, Gewichtstäfelchen,etc..
Koordination und Gleichgewichtsschulung werden besonders mit Materialien aus dem Motorikkoffer oder den Balancierscheiben ermöglicht, Ganzkörperwahrnehmung realisiert das Kastanienbad,... .
Aber auch visuelle Wahrnehmungsschulung wird z.B. durch das schiebbare Fenstermandala, das Spiegelspiel, Differix, die Farbenplättchen u.v.m. erarbeitet.
Am Beispiel der „Kugelkiste“ soll ein Material differenziert vorgestellt werden:
In dieser Holzkiste sind 7 Kugeln jeweils zweifach angeordnet. Die Kugeln haben alle den gleichen Durchmesser und sind äußerlich glatt. Durch ihre unterschiedliche Materialbeschaffenheit wecken sie aber sehr unterschiedliche Assoziationen und ermöglichen vielfältige Erfahrungen. So ist ein Kugelpaar äußerlich chromfarben und spiegelt seitengleich, eine Glaskugel dagegen spiegelt seitenverkehrt. Die Kinder können die visuellen Unterschiede benennen und beschreiben.
Auch im taktilen Bereich bieten die Kugeln Erfahrungen: so sind die Kork-, Filz- und Holzkugeln trotz ihrer Plattheit rauer und poriger und einfach wärmer in der Hand. Auch diese Erfahrungen bestaunen die Kinder. Dabei werden auch persönliche Vorlieben bezüglich der Kugeln und der Oberflächenbeschaffenheit formuliert.
Man kann eine Kugel des Paares in die Fühlsäckchen legen und durch Ertasten die zweite Kugel dem jeweiligen Fühlsäckchen zuordnen.
Doch auch der auditive Bereich kann mit den Kugeln angesprochen werden. So kann man die unterschiedlichen Rollgeräusche der einzelnen Kugeln mit geschlossenen Augen bestimmten Kugeln zuordnen. Auch diese Übung bietet differenzierte Wahrnehmungen.
Fördern mit dem Computer
Mit Hilfe des Computers kann gefördert und zusätzlich gefordert werden. Die sprechende Anlauttabelle gibt Hilfen für Kinder im Schreiblernprozess, sich Laute deutlich vorsprechen zu lassen, im Rechtschreibtraining wird systematische Wiederholung mit entsprechend sofortiger Rückmeldung im unterschiedlichen Arbeitstempo möglich,
Das Blitzrechenprogramm übt das Kopfrechnen. Tempo und Schwierigkeitsgrad sind differenziert. Es können verschiedene Hilfen eingeblendet werden: Dies soll am Beispiel der Klasse 3 verdeutlicht werden:
Das Kind übt gezielt in dem Teilbereich, in dem noch Defizite bestehen:
Verdoppeln und Halbieren im Hunderter oder später im Tausender, das Einmaleins und auch die entsprechenden Umkehraufgaben. Es gewinnt mathematische Struktur durch Verdoppeln und Halbieren im Tausender. Weitere Orientierung im Tausender gewinnt das Kind durch Zählen in Schritten, durch Plus- und Minusaufgaben sowie Ergänzen bis 1000. Die Überschlagsrechnung hilft, Ergebnisse mit einem Blick kritisch zu überprüfen.
Alle Aufgaben werden zunächst anschaulich gelöst, z.B. steht den Kindern als visuelle Hilfe das Hunderter-Punktfeld zur Verfügung. In der nächsten Stufe wird nur noch die Aufgabe in Kurzform (symbolische Ebene) gestellt. Auf die Lösung folgt sofort die Rückmeldung „richtig“ oder „falsch“, wenn die Aufgabe falsch gelöst ist, wird die Hilfe wieder eingeblendet, bevor die Aufgabe auf der symbolischen Ebene gelöst wird, wird die Hilfe dann wieder ausgeblendet. Der Übungsbereich schließt mit der „Wettkampfstufe“ ab. Dabei spielt die Zeit eine wichtige Rolle. Jeder kann seine Wettkampfleistung steigern Kinder werden nicht in die entmutigende Verliererposition gebracht.
Viele Multimediaprogramme erschließen den Kindern neue, virtuelle Welten. Der Verbund der Medien im Förderraum „erdet“ die Kinder, sie sitzen nicht stundenlang nur vor dem PC, eine Erfahrung, die sie hoffentlich auch zu Hause berücksichtigen.
Die meisten Programme stehen auch in den Klassenräumen zur Verfügung, so dass weiter daran gearbeitet und gelernt werden kann.
Wenn die Fördermöglichkeiten der Grundschule nicht reichen, kann festgestellt werden, ob sonderpädagogischer Förderbedarf erforderlich ist. An diesem Verfahren sind ein Grundschullehrer (in der Regel der Klassenlehrer/ die Klassenlehrerin) und eine Förderschullehrerin/ ein Förderschullehrer beteiligt. Beide zusammen beraten sich mit den Erziehungsberechtigten und erstellen ein Gutachten. Das Schulamt stellt auf dieser Grundlage fest, wo das Kind am besten gefördert werden kann. Förderort kann eine Förderschule sein oder auch die Grundschule.
Förderschulen in unserem Einzugsbereich:
- Schule für Lernbehinderte, Pestalozzischule Selm, Pädagogenweg 4, 59379 Selm, Tel. 02592-1621
- Schule für Geistigbehinderte, Maximilian Kolbe-Schule, Mauritiusplatz 6, 59394 Nordkirchen, Tel. 02596-580
- Schule für Kranke, z.B. in der Kinderklinik in Datteln
- Westf. Schule für Sehbehinderte und Blinde, Bröderichweg 45, 48159 Münster, Tel. 0251-2105171
- Schule für Erziehungshilfe, Astrid-Lindgren-Schule, Nottengartenweg 4, 59348 Lüdinghausen, Tel. 02591-23970
- Westf. Schule für Gehörlose, Bröderichweg 9,
48159 Münster, Tel. o251-2105113
- Schule für Sprachbehinderte, Peter-Pan-Schule, Ludwig-Wiesmann-Str. 22, 48249 Dülmen, Tel. 02594-91160
- Weste. Schule für Schwerhörige, Bröderichweg 45, 48159 Münster, Tel. 0251-2105172
- Westf. Schule für Körperbehinderte, Christy Brown-Schule, Hofstraße 26, 45701 Herten, Tel. 02366-95770
Beratung
Eltern werden am besten durch die Klassenlehrerin oder den Klassenlehrer beraten. Darüber hinaus nimmt in der Schulleitung Frau Deuker die Aufgaben der Beratungslehrerin wahr. Sie ist bereit, sich auf Wunsch an den Beratungen der KlassenlehrerInnen zu beteiligen.
Im Schulamt für den Kreis Coesfeld berät Herr Müskens, Dipl. Psychologe, Schulen, Eltern und LehrerInnen.
Die Caritas unterhält in Lüdinghausen eine Erziehungsberatungsstelle.
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