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Evaluationsergebnisse des jahrgangsübergreifenden Unterrichtes 3/1 und 4/2:
Diese Fragen haben wir uns in der Planungsphase selbst gestellt:
Es geht um Lernförderung
Wir beobachten,
wie selbstständig sich die Kinder neue Aufgaben erschließen,
wie die Motivation durch die Zusammenarbeit trägt,
wie sich die Schullaufbahn der Kinder (Klassenwiederholungen, Übergänge zu
Sonderschulen, Verweildauer begabter SchülerInnen) entwickelt,
die schulische Leistung auch durch Parallelarbeiten.
Es geht um soziales Lernen
Wir beobachten
den Umgang mit Konflikten von außen (Pausensituationen), den Umgang mit Konflikten von innen (Konfliktlösung im Klassenrat).
Wie viel Zeit und Aufmerksamkeit erfordern Konflikte? Wie viel lernbereiter sind Kinder in konfliktfreier Umgebung? Wie schnell tragen vorgelebte Regeln?
Es geht um eine unterstützende Lernorganisation
Wir beobachten:
Wird der Anfangsunterricht intensiver, weil weniger aufwendige Organisationsformen erforderlich sind?
Wie intensiv sind die Gespräche / die Arbeiten in den Teilgruppen?
Durch welche Klasseneinrichtungen lassen sich solche Arbeitsformen stützen (z.B. großer Tisch für die Teilgruppe)? Welche Erfahrungen lassen sich auf Jahrgangsklassen übertragen?
Veränderungen in der Schuleingangsphase
Die Kleinen wählen sich ihren Paten, die Großen nehmen diese Aufgabe sehr ernst, sie sind (in der Regel) Vorbilder.
Die Ordnungsstruktur ist einfach gegeben: sich im Gebäude, im Klassenraum zurecht finden, Material holen und wegbringen, Blätter abheften.
Das Schreiben und Rechnen steht von Anfang an viel stärker im Mittelpunkt, organisatorische Probleme erledigen sich fast von selbst. Die Schuleingangsphase ist in den Klassen 3|1 wesentlich stabilisiert. Die Schulanfänger in diesen Klassen haben mehr Zeit zu lernen, sie schreiben früher frei. Die Anfangsphase prägt in starkem Maße ihre künftige Arbeitshaltung.
Leistung
In unserer sechszügigen Grundschule werden Klassenarbeiten in den Klassen 3 und 4 in der Regel parallel vorbereitet. Die Ergebnisse zeigen keine Auffälligkeiten. Für Rückschlüsse sind die Vergleichsgruppen zu klein, die 3-er sind alle zunächst in Jahrgangsklassen gewesen, unsere Einschätzung bezieht sich auf einen sehr kurzen Zeitraum. Die Elternfrage „Lernen die 3-er denn auch genug?“ kann klar bejaht werden: Die Stoffplanung geht von den 3-ern aus, ihre Inhalte werden für die 1-er herunter
transponiert, sofern nicht ohnehin verschiedene Themen nebeneinander bearbeitet werden.
Unterstützung
Der Zeitaufwand für unterstützen und helfen ist sehr gering, oft reichen kurze Momente. „Etwas erklären“ bedeutet auch, sich zunächst selbst Klarheit zu verschaffen. Es ist keine verlorene Zeit, beide profitieren davon.
soziales Lernen
Es zeigt sich weniger Rivalität, das Verhalten ist aggressionsfreier. Die Kontakte untereinander reichen auch im Nachmittagsbereich über die Jahrgangsgrenzen hinweg, man trifft sich, lädt zum Geburtstag ein.
Den Großen bedeutet es viel, Vorbild zu sein, dies bestimmt ihr Verhalten. Die Kleinen nehmen Rücksicht, sie sind z.B. ganz leise, wenn die Großen Klassenarbeiten schreiben.
Es ist kein „oben“ und „unten“, in Gesprächen, bei gemeinsamer Arbeit bringen sich die 1er kompetent ein. Das positive Klassenklima fördert das Lernen.
räumliche Voraussetzungen
Der Klassenraum ist klar zu strukturieren. Es ist viel mehr Material vorzuhalten als in der Jahrgangsklasse. Der „blaue Tisch“ vorn vor der Tafel hat sich als nützlich erwiesen. Er ist so groß, dass die halbe Gruppe beim „direkten Unterricht“ dort Platz findet. Die Lehrerin/der Lehrer sieht bei Einführungen, wer noch Fragen hat, unsicher ist, zusätzliche Erklärungen oder Hilfen benötigt. 13 oder 14 Kinder kann er/sie viel intensiver beobachten und fördern. Die andere Gruppe sitzt an ihren Stammplätzen oder findet sich neu zusammen.
Selbstständigkeit
Die Kinder arbeiten selbstständiger.
Im klaren Wechsel von direktem Unterricht (z.B. Einführungsphasen, Aufgabenstellungen etc) und z.B. Werkstattunterricht, Übungsphasen wissen sie, für wen die Lehrerin/der Lehrer jetzt da ist. Sie lernen, sich leise Hilfe von anderen Kindern Hilfe zu holen bzw. leise anderen Kindern zu helfen. Diese Kommunikation läuft also weniger über die Lehrerin/den Lehrer.
Arbeitsaufwand
Der Planungsaufwand ist wesentlich höher als in der Jahrgangsklasse. Das setzt voraus, dass LehrerInnen stärker miteinander kooperieren und nicht nur lose Absprachen treffen.
Die Lehrerin/ der Lehrer lernt neu zu unterrichten. Er/sie muss den Vormittag klarer strukturieren. Das Klassenklima ist entspannter, der Unterricht selbst verläuft stressfreier.
In der Umstellungsphase sollte die Lehrerin/der Lehrer unterstützt werden, z.B. durch teilweise Doppelbesetzung.
Zusammenfassung
Diese Ergebnisse ermutigen uns weiterhin die begonnene Arbeit zu jahrgangsübergreifenden Klassen fortzuführen und auszubauen.
Der nächste zu bearbeitende Punkt wird die Verknüpfung von jeweils einer 3/1 und einer 4/2 in unterrichtlichen Bereichen.
Beginnen wollen wir mit der Verknüpfung des Kunstunterrichtes.
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