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Kult(ur) 1998
ein Fest mit Künstlern, Lehrern, Eltern, Kindern der Wieschhofgrundschule Olfen
"Kultur ist etwas Unökonomisches, so wie Erzählen und Zuhören unökonomisch sind. Das braucht nur Zeit und führt zu nichts - außer das wäre nicht ein Nichts, wenn zwei Menschen miteinander sprechen.
Ökonomisches Denken auf Kulturelles übertragen zu wollen kann fatale Folgen haben. Auch wenn es mit gutem Willen geschieht. ... ... ich habe den Verdacht, daß die sogenannten Künste, die hohen und richtigen Künste, nichts anderes sind als ein Ersatz für verlorene Kultur. Wo in den Kneipen nicht mehr gesungen wird, braucht man eine Oper. Wo nicht mehr erzählt wird, braucht man professionelle Erzähler. Wo nicht mehr geschaut wird, braucht man bildende Künstler. Sie tun es stellvertretend für alle. So etwa wie der Seiltänzer im Zirkus stellvertretend für mich übers Seil geht und für mich das befreiende Gefühl vermittelt, daß wir Menschen übers Seil gehen können...Kultur ist das Zusammenleben von Menschen." aus der Rede des Schriftstellers Peter Bichsel auf dem Rheinland-Pfälzischen Städtetag am 12. Dezember 1996
Die Idee
Das Schlagwort von der veränderten Kindheit ist in einer Plakatserie (DB u.a.) aufgegriffen. Der Mund eines Kindes ist mit einem gelben Schild versehen "wegen Defekt geschlossen". Diesen Impuls möchten wir aufgreifen, weil wir diese Sprachlosigkeit täglich bei vielen Kindern beobachten. Anfang Januar wird unsere Schule den Neujahrsempfang in unserer Stadt ausrichten. Wir möchten die Plakatmotive dabei einsetzen. Der Versuch einer Antwort soll die Tür zu unserem Kult(-ur)-Fest einen Spalt öffnen. Sprachlosigkeit bedarf einer Antwort. Das Plakat gibt den Impuls:
- · Sinne müssen erfahren und geschult werden.
Feste sind sinnlich. "Die Entfaltung des Sinnenbewusstseins des Menschen, zu dem die Kunst beitragen kann, ist zugleich die notwendige Wiedereingliederung seiner Natürlichkeit in sein Selbstverständnis." Diese Erfahrung, dieses Erlebnis lassen wir in den Raum der Stadt hineinstrahlen.
- · Feste auch Schulfeste dürfen nicht auf Essen und Trinken reduziert werden. Sie sollen nicht dem Gelderwerb dienen.
- Mit 25 Künstlern, 25 Lehrerinnen und Lehrern und vielen Eltern werden wir 1998 in der Woche nach Pfingsten mit unseren Schülerinnen und Schülern künstlerisch arbeiten, Impulse geben, uns auszudrücken aber auch hinzusehen und hinzuhören - wahrzunehmen.
Parallel dazu wird der Kunst- und Kulturverein Olfen (KuK) nachmittags mit den Künstlern Aktionen anbieten. Die Abende sind als Foren für Gespräche, Begegnungen offen; Veranstalter dafür ist der KuK.
Die Umsetzung
Wir arbeiten an 3 Tagen. Die Ideen entstehen aus der Begegnung von Künstlern und Lehrern - schon beim ersten gemeinsamen Gang durch die Schule, durch die Stadt. Jeder Künstler, jeder Lehrer arbeitet in der Regel vormittags- mit einer Gruppe von ca. 10 Kindern, eine Mutter/ein Vater unterstützt uns dabei. Der Schwerpunkt der Aktion liegt auf dem Gelände der Grundschule, reicht aber in die Stadt Olfen hinein. Alles wird am Samstag auf dem Schulgelände präsentiert:
Skulpturen, Pantomime, Bilder aus unterschiedlichstem Material, Klänge und Musik, Theater, Gedichte , Zauber und Artistik... Natürlich gibt es dabei auch etwas zu essen und zu trinken - eben damit man lange dort verweilen kann.
Die Schülergruppen
Die Schule hat 553 Schülerinnen und Schülern, es werden Gruppen von ca. 10 Kindern gebildet, die tatsächliche Stärke variiert nach Erfordernissen und Voraussetzungen der praktischen Arbeit.
Die Gruppen werden klassen- und jahrgangsübergreifend gebildet. Wir werden ein Wahlraster entwickeln, das bei den Kindern Interessensschwerpunkte abfragt.
Künstler - Eltern - Lehrer Künstler aus allen Bereichen sind herzlich eingeladen, sich auf die Arbeit mit den Kindern einzulassen. Viele Künstler werden wir gezielt ansprechen soweit wir zu ihnen schon Kontakte haben, daneben sind wir für neue Kontakte dankbar. Eltern, die künstlerisch arbeiten, sind herzlich eingeladen.
Wir können keine Honorare zahlen, wohl aber Material- und Fahrtkosten erstatten. Auswärtige Gäste sind eingeladen in Gastfamilien mit zu leben. Eltern engagieren sich, um die Voraussetzungen für dieses Projekt zu schaffen. Sie haben es z.B. übernommen, für unser gemeinsames Mittagessen zu sorgen.
Der Vater/ die Mutter in den Arbeitsgruppen erleichtern den Kindern das Zurechtfinden, vor allem, weil die Künstler den Kindern ja erst langsam vertraut werden.
Die Zeit 3. bis 6. Juni 1998
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Dienstag 2. Juni 98
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nachmittags Anreise für die auswärtigen Künstler
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Mittwoch 3. Juni 98
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Donnerstag 4. Juni 98
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Freitag 5. Juni 98
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Samstag 6. Juni 98
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11 bis 18 Uhr Präsentation
Ausklang der Woche
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In der Regel wird Mittwoch bis Freitag von 7.45 bis 11.30 Uhr mit den Kindern gearbeitet.
Mittagessen ist für Künstler, Lehrer, Eltern zwischen 12 und 13.30 Uhr in der Wieschhofschule möglich.
Die Präsentation der Ergebnisse kann am Freitagmorgen, aber auch noch am Nachmittag vorbereitet werden. Künstler, die sich vor Ort in der Schule umsehen möchten, sind herzlich dazu eingeladen, auch, die Kinder im Unterricht zu erleben. Wir möchten in diese ersten Gespräche und Besichtigungen gern immer Lehrer einbeziehen, um so auch schon Kontakte für die gemeinsame Arbeit anzubahnen.
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